Wozu LATEIN?

„VIRTUTI, LITTERIS, ARTIBUS“


(Mut, Leistung, Kompetenz)
Diese drei Begriffe stehen als Programm unserer Schule auf der Gedenktafel zur Grundsteinlegung für das neue Gebäude des MLK im Jahre 1953. Sie befindet sich neben der Eingangstüre.
Virtuti: (Für) Mut, Persönlichkeit, Standhaftigkeit, gute Eigenschaften
Litteris: (Für) wissenschaftliche Bildung (Literatur, Sprachen und Naturwissenschaften)
Artibus: (Für) Geschicklichkeit, Kunstfertigkeit

1. Allgemeine Zielsetzungen und die Bedeutung des Faches für die Allgemeinbildung


Latein war die Sprache der Römer, die zu Beginn des 2.Jh unserer Zeitrechnung ein riesiges Weltreich besaßen. Dieses Weltreich reichte von Britannien im Nordwesten bis Ägypten im Südosten und umfasste insbesondere den gesamten Mittelmeerraum. So gehörten zum Beispiel die heutigen Länder Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und England, aber auch Teile Südwestdeutschlands zum römischen Weltreich. Auch unser Bundesland gehörte zum Römischen Reich, wie zahlreiche Ausgrabungen belegen. So z.B. in Trier, Homburg-Schwarzenacker, Perl-Borg, Nennig, Reinheim,Tholey usw.
Das Römische Weltreich ging unter, die Lateinische Sprache blieb weiter lebendig, da sie vor allem die Sprache von Antike und Mittelalter, von Kirche und Wissenschaft bis ins 19. Jahrhundert hinein war.
Heute kann Latein als ein „Universalfach“ bezeichnet werden, denn
a) es vermittelt Allgemeinbildung und Sprachkompetenz, die in fast allen Berufen und Lebenslagen nützlich sind. Außerdem setzen zahlreiche Berufe und Studiengänge an der Universität Lateinkenntnisse voraus.
b) Latein ist die Basissprache von sechs modernen europäischen Fremdsprachen. Es erleichtert daher das Verständnis und fördert das schnellere Erlernen dieser Fremdsprachen sehr (in der Schule kommen insbesondere Englisch und Französisch und Spanisch in Frage). Die Kenntnis der lateinischen Sprache hilft auch beim Erfassen und Einprägen des Vokabulars, das sich auch in vielen Fällen vom Lateinischen aus erschließen lässt. So bezieht z.B. Englisch sein Vokabular zu über 60% aus der Sprache der Römer. Es wäre falsch anzunehmen, dass den Lateinschülern jede moderne Fremdsprache „in den Schoß“ fallen würde. Die Erfahrung zeigt aber, dass Schüler auf der Basis der lateinischen Sprache wesentlich rascher und leichter moderne Fremdsprachen – Vokabular und Grammatik – erfassen.
c) viele Fremdwörter und Fachbegriffe (z.B. in der Medizin, in der Biologie, im juristischen Bereich usw.) haben ihren Ursprung in der lateinischen Sprache. Latein als Grundlage verhilft, die Bedeutung vieler dieser Fremdwörter und Fachbegriffe (auch ohne langwieriges Nachschlagen im Lexikon) zu erfassen und sich dauerhaft einzuprägen.
d) das Erlernen der lateinischen Sprache gibt einen genauen Einblick in die Strukturen und den grammatikalischen Aufbau der deutschen Sprache (z.B.: exakte Unterscheidung der einzelnen Zeitstufen, Fähigkeit zur Analyse längerer Satzperioden etc.). In keinem anderen Fach wird die deutsche Grammatik so genau und exakt behandelt wie im Lateinunterricht. Somit verbessert Latein die Beherrschung der Muttersprache (Sprachkompetenz, Sprachgefühl und Vergrößerung des aktiven Wortschatzes).
e) Auch zeigen sich Parallelen zwischen Latein und Mathematik. So verlangt die Auflösung einer mathematischen Gleichung im Großen und Ganzen die gleichen gedanklichen Strukturen wie das Erfassen und Analysieren grammatischer Satzkonstruktionen und längerer Satzperioden im Lateinischen. Latein fördert das analytische und abstrakte Denken.
f) Latein verlangt, schafft und fördert Konzentration, Genauigkeit und Selbstdisziplin zur genauen und exakten Untersuchung der lateinischen Sätze hinsichtlich ihrer Strukturen, Formen und Konstruktionen. Latein kommt dem Bedürfnis des jungen Schülers nach Ordnen, Strukturieren und Systematisieren entgegen. Die lateinische Sprache legt wesentlich größeren Wert auf die genaue zeitliche Einordnung von Ereignissen und Abläufen als die deutsche Sprache. Sie erzieht somit zu genauerem Erfassen von Zeitstufen und gedanklichen Abläufen.
Ihre klare strukturelle Gliederung erzieht den jungen Menschen zur Fähigkeit des logischen Denkens (Analyse; logische Kombination; Abwägen von Lösungsmöglichkeiten; Entscheidungs- und Unterscheidungsvermögen) und letztendlich
g) Latein vermittelt eine solide Allgemeinbildung, Einblicke in historische Abläufe, Religion, Staatsgebilde und Staatskunde. Vor allem in der Lektürephase des Lateinunterrichts (Ovid, Caesar, Sallust, Cicero u.a.) lernt man antike Sagen, Philosophien und Geschichte kennen. Sie gehören nach wie vor zu den geistigen Grundlagen Europas. Die Entwicklung und der Untergang der Republik als Regierungsform (Sallust, Die Verschwörung des Catilina), die Suche nach dem rechten ethischen Verhalten (Cicero in seinen Philosophischen Schriften), Weltentstehungstheorien (Lukrez, Vom Wesen der Dinge) oder das Streben von Einzelnen nach Macht (Caesar: Veni, vidi, vici!)haben ihre Vorläufer in der europäischen Geschichte.

2. Latein am MLK


2.1 Latein PLUS – Vielfalt statt Einfalt


a) Latein und Englisch?
Latein und Englisch ab Klasse 5 ist ein Modell, das in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen seit acht Jahren mit großem Erfolg praktiziert wird. Das Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium Völklingen ermöglicht interessierten Schülerinnen und Schülern seit dem Schuljahr 2005/06 die Möglichkeit, beide Sprachen bereits in Klassenstufe 5 zu erlernen.

b) Latein und Englisch - Gemeinsamkeiten nutzen !
Wenn Latein parallel zu Englisch einsetzt, profitieren beide Seiten davon, denn Englisch ist gewissermaßen eine Stieftochter des Lateinischen. Mehr als 60% des englischen Wortschatzes ist lateinisch-romanischen Ursprungs. Als führende internationale Wissenschaftssprache bringt das Englische ständig neue Fachbegriffe hervor, die zumeist aus lateinischen Bestandteilen gebildet sind.
Je anspruchsvoller ein englischer Text ist, desto stärker lässt sich das Lateinische im Bereich Wortschatz und Grammatik nachweisen. Das grammatikalische Grundgerüst und die Fachbegriffe (Subjekt, Prädikat, Objekt usw.) werden traditionell im Lateinunterricht vermittelt. Damit entlastet der Lateinunterricht den Englischunterricht. Gleichzeitig wird das Wissen aus dem Lateinunterricht im Unterricht der modernen Fremdsprache angewandt und somit nachhaltig gefestigt.

c) Latein und Englisch - Unterschiede erkennen
Steht im Lateinunterricht das Übersetzen im Vordergrund, so wird im Englischunterricht das Sprechen eingeübt. Beide geforderten Verhaltensweisen und Leistungen ergänzen sich: Präzision und theoretische Haltung in der Reflexionssprache stehen Spontaneität und praktischer Übung in der Kommunikationssprache gegenüber. So können sich spezifische Begabungen im sprachlichen Bereich besser entfalten.

d) Fragen und Antworten zur praktischen Umsetzung
d1) Erhöht sich die Wochenstundenzahl der Schülerinnen und Schüler?
Die Wochenstundenzahl für die Schülerinnen und Schüler ändert sich nicht. Eine Umverteilung der Stunden in den Klassenstufen 5, 6 und 7, sowie eine Stundenabgabe des Faches Latein an das Fach Englisch ermöglichen in Klassenstufe 5 einen Englischunterricht im Rahmen von 3 Wochenstunden.

d2) Welchen Einfluss hat die Englischnote auf die Versetzung nach der Klassenstufe 5?
Die Zeugnisnote im Fach Englisch wird am Ende der Klassenstufe 5 nur positiv gewertet. Sie ist erst ab Klassenstufe 6 versetzungsrelevant.
d3) Welchen Nutzen hat eine Schülerin oder ein Schüler von Latein Plus?
Schülerinnen und Schüler profitieren von der verstärkten Verzahnung der Fächer Latein, Englisch und Deutsch. Eine Überforderung der Schülerinnen und Schüler wurde in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nicht festgestellt. Auch ein Schulwechsel wegen Umzug in ein anderes Bundesland oder unvorhersehbarer Schwierigkeiten wird durch diese Sprachenfrage erleichtert.
d4) Zur Beantwortung weiterer Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
d5) Unterrichtsbücher für die Spracherlernungsphase:
Latein Plus
Latein: Lumina , Vandenhoeck & Ruprecht ISBN 3-525-71014-3
Englisch: G 2000

2.2. Latein als dritte Fremdsprache (ab Klasse 8)


Den Schülerinnen und Schülern, die in Klasse 5 mit Französisch beginnen, in Klasse 6 die englische Sprache erlernen, können ab Klasse 8 zwischen Latein und Spanisch entscheiden.
Unterrichtsbuch: noch offen

3. Das Latinum


Für eine ganze Reihe von Studiengängen an der Universität braucht man später das Latinum (oft z.B. in Englisch, Französisch, Geschichte, Kunst). Es kostet viel Zeit, Mühe und Geld, das Latinum später an der Universität nachzuholen.
Das Latinum, d.h. den amtlichen Nachweis über erworbene Lateinkenntnisse, haben Schüler/innen, die in Klasse 5 mit Latein beginnen, nach Klasse 10, wenn die Endnote in Klasse 10 mindestens ausreichend (04) lautet, ohne zusätzliche Prüfung erreicht.

Schüler/innen, die Latein ab Klasse 8 erlernen, haben 2 Möglichkeiten das Latinum zu erhalten:
1. Latein von Klasse 8 bis Klasse 12/2 (die Note in 12/2 muss mindestens 04 lauten)
2. nach Klasse 10 muss eine schriftliche und eine mündliche Prüfung in Latein abgelegt werden. Wird diese bestanden, so erhält der Schüler mit seinem Abiturzeugnis den Vermerk über das bestandene Latinum.

4. Fragen und Antworten


„Soll die erste Fremdsprache meines Kindes Latein oder eine moderne Fremdsprache sein?“

Latein als erste Fremdsprache bietet Vorteile:
Die Unterrichtssprache bleibt Deutsch
Die Übersetzung erfolgt nur von der Fremdsprache in die Muttersprache
Begrenzung des Wortschatzes (es kommen keine neuen Wörter dazu)
Logisch klarer Aufbau der Grammatik (Wort- und Verbformen lassen sich konstruieren und nach einem bestimmten Schema auf- und zusammenbauen.)
Überschaubarkeit der Literatur
Keine Rechtschreibe- und Ausspracheprobleme (Latein wird so gesprochen, wie es geschrieben wird.)

„Verbaut sich mein Kind mit der Wahl des Lateinischen nicht den Weg zu den modernen Fremdsprachen?“

Nein! Die Statistiken zeigen, dass Lateinschüler mehr und leichter moderne Fremdsprachen lernen als Nicht-Lateinschüler!

„Ist Latein denn nicht zu schwer?“

Latein ist ein anspruchsvolles Fach - aber das hat es mit allen gymnasialen Fächern gemeinsam. Ein Schüler mit gymnasialer Empfehlung kann die Anforderungen in jedem Fall erfüllen.

„Was aber, wenn mein Kind die Anforderungen in Latein nicht schafft?“

Beinahe alle Schülerinnen und Schüler kommen mit den Anforderungen des Faches Latein zurecht. Wer die übrigen gymnasialen Anforderungen bewältigt, „schafft“ auch das Fach Latein.

„Ich kann kein Latein und daher meinem Kind nicht helfen.“

Das ist prinzipiell auch nicht notwendig. Sie können dennoch – auch ohne eigene Lateinkenntnisse – z.B. Ihr Kind bei der Vokabelarbeit unterstützen und die Grammatik
im Bereich der Deklinationen und Konjugationen überprüfen.
Für weitergehende Informationen stehen die Lateinlehrer/innen des MLK Ihnen gern in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Die Fachschaft Latein des MLK

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